Die Zukunft aktiv gestalten

Vor allem andern: Bewusstsein schärfen und Unterstützung für die Zukunft generieren.


Die Osteoporose stellt eine wachsende Herausforderung für das Schweizer Gesundheitswesen dar, sowohl in Bezug auf die steigende Zahl von Frakturen als auch die damit verbundenen Gesundheitskosten. Es ist dringend notwendig, dass die Politik jetzt handelt, um die Versorgung der betroffenen Patientinnen und Patienten zu verbessern und die Prävention stärker in den Fokus zu rücken. Die Schlüsselthemen – Prävention, Früherkennung, koordinierte Versorgung und Forschung – bieten klare Handlungsfelder, die eine nachhaltige Verringerung der Krankheitslast und der Gesundheitskosten ermöglichen. Die Förderung der Digitalisierung und systematischen Datennutzung bietet zudem immense Chancen, um Früherkennung, Diagnose, Behandlung und Forschung im Bereich Osteoporose effizienter und individueller zu gestalten. Dies ermöglicht nicht nur eine frühere Identifikation von Risikopatient*innen, sondern auch eine personalisierte Therapie, die langfristig bessere Ergebnisse liefert.

Die Politik muss diese Themen mit hoher Dringlichkeit auf die Agenda setzen und die notwendigen Massnahmen in Zusammenarbeit mit den relevanten Akteuren vorantreiben. Diverse nationale Strategien bilden dafür die nötige Grundlage.

Basierend auf den dargestellten Herausforderungen werden nachfolgend Massnahmen vorgestellt, die auf den bestehenden politischen Grundlagen basieren und gezielt auf die festgelegten Zielsetzungen der Allianz gegen Osteoporose abgestimmt sind.

Um die Herausforderungen der Osteoporose effektiv anzugehen, ist es entscheidend, das Bewusstsein in der Öffentlichkeit, bei politischen Entscheidungsträgern und in den Medien zu schärfen. Nur durch ein gemeinsames Verständnis der Krankheit als weit verbreitetes, aber oft unterschätztes Gesundheitsproblem können alle Sektoren aktiv zur Lösung beitragen.Die bereits im Gesundheitssystem tätigen Akteure aus Prävention, Versorgung und Forschung müssen erkennen, was die mangelnde Berücksichtigung der Osteoporose zur Folge hat und die Vorteile sehen, wenn die Krankheit in den Fokus rückt und gezielt angegangen wird.

Wo das wie geschehen kann, wird in drei Handlungsfeldern dargelegt:



Handlungsfeld 1: Priorisierung von Prävention und Früherkennung

Dieses Handlungsfeld betont die Bedeutung frühzeitiger Massnahmen, um die Entstehung und Folgen der Krankheit zu verringern, die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern und die Gesundheitskosten zu senken.

  • Informationsvermittlung zur Enttabuisierung der Erkrankung, Bewusstseinsschärfung und Förderung von Präventionsprogrammen in der Bevölkerung und anderen relevanten Dialoggruppen z. B. durch Sensibilisierungskampagnen zu Osteoporose, Ernährung, Bewegung und Lebensstil.
    Gesundheit2030 – SR 2.1 Optimierte Information der Bürgerinnen und Bürger und SR 6.1Beeinflussung der Kostenentwicklung
  • Förderung der Sekundärprävention insbesondere durch systematische Screenings und regelmässige Knochendichtemessungen für Risikopatient*innen sowie Sicherstellung der Kostenübernahme durch die Krankenkassen.
  • Schaffung eines Anreizmodells mit reduzierten Krankenkassenprämien für Senior:innen, die am Screening-Programm teilnehmen, was das Engagement fördert und einen gesünderen Lebensstil begünstigt.
    Gesundheit2030 – SR 4.1 Verstärkte Prävention nichtübertragbarer Krankheiten
  • Menschen mit Osteoporose und ihre Angehörigen benötigen Wissen, praktische Fertigkeiten und ein hohes Mass an Selbstwirksamkeit, um den Alltag zu bewältigen – es ist zentral, dass das Selbstmanagement gefördert wird, um Folgeschäden zu verhindern.
    Gesundheit2030 – SR 2.2 Verbesserter Umgang mit Informationen zu Gesundheit und Krankheiten
    NCD-Strategie – HF 1 Gesundheitsförderung und Prävention, HF 2 Prävention in der Gesundheitsversorgung und HF 6 Information und Bildung
    Konzept Selbstmanagement-Förderung bei nichtübertragbaren Krankheiten (BAG)

SR = Stossrichtung
HF = Handlungsfeld



Handlungsfeld 2: Koordinierte Versorgung bei Osteoporose und Finanzierung

Eine koordinierte Versorgung zielt darauf ab, eine nahtlose Zusammenarbeit zwischen allen Beteiligten zu fördern, um eine optimale Betreuung von Osteoporose-Patienten sicherzustellen. Eine gezielte Finanzierung und nachhaltige Ressourcenplanung sind essenziell, um eine umfassende Versorgung und den Zugang zu wirksamen Präventions- und Behandlungsmassnahmen zu gewährleisten und so die Krankheitslast und
Folgekosten zu senken.

  • Erstellung eines nationalen Umsetzungsplans zur Förderung der orthogeriatrischen Behandlung im Co-Management im Akutspital bei Osteoporose-Frakturpatient*innen
  • Stärkung der koordinierten Versorgung und medizinischen Behandlung durch die Erstellung und Umsetzung eines nationalen Plans für einen flächendeckenden Fracture Liaison Service (FLS), um Fragilitätsfrakturen zu verringern und somit Gesundheitskosten zu senken.
  • Schaffung standardisierter Behandlungsleitlinien für Osteoporose und Förderung von Fortbildungen für medizinisches Personal.
  • Entwicklung eines nachhaltigen Finanzierungsmodells von FLS zur Optimierung der Behandlung und Langzeitpflege.

Gesundheit2030 – SR 3.2 optimierte Finanzierung der Langzeitpflege, SR 5.1 Verstärkung der koordinierten Versorgung, SR 5.2 Verbesserung der medizinischen Behandlungen, SR 6.1 Beeinflussung der Kostenentwicklung

NCD-Strategie – HF 3 Koordination und Kooperation und HF 4 Finanzierung



Handlungsfeld 3: Stärkung von Forschung, Innovation und Datenmanagement

Dieses Handlungsfeld ist entscheidend, um neue diagnostische und therapeutische Ansätze zu entwickeln, die Krankheitsverläufe zu verbessern, Frakturen zu verhindern und die Belastungen für Patient:innen und das Gesundheitssystem langfristig zu reduzieren.

  • Mehr staatliche Mittel für Forschung und Entwicklung neuer Therapieansätze sowie zur Erforschung der Krankheitsursachen bereitstellen.
  • Kooperationen mit der Industrie fördern, um schnellere Fortschritte in Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten zu erzielen.

Gesundheit2030 – SR 5.2 Verbesserung der medizinischen Behandlungen, SR 6.1 Beeinflussung der Kostenentwicklung

Zu Forschung und Innovation gehört auch die zentrale Aufgabe, systematisch Daten zu erfassen und zu nutzen, um über den ganzen Patientenpfad hinweg (von der Schärfung des Problembewusstseins bis zur Nachsorge von Osteoporose) Fortschritte zu erreichen. Durch den Einsatz digitaler Gesundheitsanwendungen und die Nutzung zentralisierter Patientendaten sollen individuelle Risikoprofile erstellt und Therapieerfolge besser überwacht werden, um die Versorgung und Prävention osteoporotischer Frakturen zu stärken.

  • Führen eines übergeordneten repräsentativen nationalen Osteoporose-Registers mit Daten zur Häufigkeit, Behandlung und zu Therapieerfolgen, damit Auswertungen für eine gezielte Gesundheitsplanung ermöglicht werden.
  • Initiierung von Pilotprojekten, in denen digitale Anwendungen für die Frakturprävention getestet und angepasst werden.

Gesundheit2030 – SR 1.1 Förderung der Digitalisierung und Nutzung der Daten
NCD-Strategie – HF 5 Monitoring und Forschung

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