Osteoporose verstehen

Was ist Osteoporose?

Osteoporose ist eine schleichende Knochenerkrankung, die durch den systematischen Abbau von Knochensubstanz und Veränderungen der
Knochenstruktur im gesamten Skelett gekennzeichnet ist. Diese degenerativen Veränderungen führen dazu, dass die Knochen porös und instabil
werden, was das Risiko von Frakturen erhöht.

Als begünstigende Faktoren gelten ein Lebensstil mit wenig körperlicher Bewegung, ein Calciummangel, eine Unterversorgung mit Vitamin D und ein Mangel am weiblichen Sexualhormon Östrogen – weswegen überwiegend Frauen ab 50 Jahren an der Osteoporose erkranken. Übermässiger Alkohol- und Nikotinkonsum gelten als Risikofaktoren für Männer und Frauen gleichermassen.

Der Abbau der Knochenmasse ist in der Regel symptomlos, weshalb die Erkrankung bis zu einem Knochenbruch oft unbemerkt bleibt. Das hat zur Folge, dass die Krankheit generell zu spät oder gar nicht diagnostiziert wird (Kanis et al., 2021).



Wen betrifft Osteoporose?

Die Osteoporose kann schon in jungen Jahren auftreten, ist aber überwiegend ein Gesundheitsproblem älterer Menschen. Die Wahrscheinlichkeit, ab dem 50. Lebensjahr infolge Osteoporose einen Knochenbruch zu erleiden, liegt in der Schweiz bei durchschnittlich 51 % für Frauen und 20 % für Männer. In der Schweiz litten 2019 gemäss der Weltgesundheitsorganisation WHO rund 524’000 Personen an Osteoporose. Sie hat die Osteoporose als zunehmend wichtig eingestuft. Dabei treten jährlich ca. 82’000 neue Frakturen auf, was einen Anstieg um 10 % seit 2010 bedeutet. Die ScoreCard for Osteoporosis in Europe 2021 zeigt eindrücklich, dass in der Schweiz von der Anzahl Frauen, die für eine Behandlung in Frage kommen, da sie den Frakturschwellenwert überschreiten, nur 17% behandelt werden.

Bei dieser erheblichen Versorgungslücke sind insbesondere Frauen, die am stärksten betroffene Gruppe. Studien zeigen, dass Frauen nach der Menopause aufgrund der Abnahme der Östrogenproduktion ein exponentiell wachsendes Risiko für Osteoporose haben (Rizzoli et al., 2019).

Der weltweite demografische Wandel hin zu einer immer älter werdenden Bevölkerung stellt die Gesundheitsversorgung vor grosse Herausforderungen, insbesondere die deutliche Zunahme von Fragilitätsfrakturen, die vor allem durch Traumata mit geringer Energie (wie Stürze) bei Osteosarkopenie (eine Kombination aus Osteoporose und Sarkopenie: mit fortschreitendem Alter zunehmender Abbau von Muskelmasse und -kraft) verursacht werden . Über 1,5 Millionen Menschen in der Schweiz sind im Pensionsalter, was etwa 18 % der Bevölkerung entspricht, und bis 2045 wird ein Anstieg auf 2,7 Millionen erwartet. Jährlich stürzen etwa 80.000 Senioren, und die Hälfte von ihnen erleidet innerhalb des folgenden Jahres einen weiteren Sturz. Alle sieben Minuten erleidet ein älterer Mensch eine Fragilitätsfraktur, wobei Prognosen einen Anstieg um knapp 38 % bis 2034 vorhersagen.



Was für Auswirkungen hat Osteoporose auf die Lebensqualität?

Die Versorgungslücke bei Frauen ist besorgniserregend, da sie ein höheres Risiko für Frakturen aufweisen, die schwerwiegende gesundheitliche Folgen haben können. Trotz der Verfügbarkeit effektiver Therapieoptionen wird eine grosse Anzahl postmenopausaler Frauen in der Schweiz nicht adäquat behandelt. Studien zeigen, dass Hüftfrakturen mit einer erheblichen Mortalitätsrate verbunden sind – etwa 20–30 % der Betroffenen versterben innerhalb des ersten Jahres nach der Fraktur (Haentjens et al., 2010). Dieses erhöhte Sterberisiko unterstreicht die Dringlichkeit präventiver Massnahmen und frühzeitiger Interventionen. Es besteht ein dringender Bedarf an gezielten Aufklärungsmassnahmen und umfassenderen Screening-Programmen. Darüber hinaus ist die Implementierung evidenzbasierter Richtlinien für das Frakturmanagement von entscheidender Bedeutung, um die Lücke in der Versorgung zu schliessen und die Lebensqualität der betroffenen Personen zu erhöhen (Lippuner et al., 2020).

Die mangelnde Wahrnehmung und das späte Erkennen von Osteoporose führen dazu, dass viele Betroffene durch bestehende Frakturen ihre Selbständigkeit einbüssen und ihr Leben aus Angst vor weiteren Brüchen stark einschränken. Dies kann zu Dekonditionierung und zum Verlust von körperlicher Leistungsfähigkeit führen, was wiederum Stürze begünstigt. Für die Lebensqualität der Betroffenen ist also entscheidend, das Bewusstsein für die Krankheit zu schärfen und präventive Massnahmen zu fördern.



Was kostet Osteoporose?

Die direkten Kosten für osteoporotische Frakturen in der Schweiz beliefen sich 2019 gemäss Scorecard für Osteoporose der IOF (Vergleich innerhalb der EU 27+2) auf insgesamt 3,43 Milliarden Euro. Hinzu kamen 746 Millionen Euro für Langzeitkosten aufgrund von Frakturen, die vor 2019 aufgetreten sind. Die Kosten für pharmakologische Interventionen betrugen lediglich 60 Millionen Euro. Der Anstieg der direkten Kosten pro Person von 190,2 € (2010) auf 402,8 € (2019) zeigt einen relativen Anstieg von 112 %, wobei die Schweiz die höchsten Pro-Kopf-Kosten in der EU27+2 aufweist. Osteoporotische Frakturen machten 4,5 % der Gesundheitsausgaben aus, was über dem EU-Durchschnitt von 3,5 % liegt.

Es gibt mehrere Studien, die belegen, dass Primär- und Sekundärprävention bei Osteoporose sowohl die Gesundheit der betroffenen Personen verbessert als auch Kosten im Gesundheitssystem senkt. Als Beispiel zeigt die Zürcher Hüftbruchstudie , dass durch Präventionsstrategien, die Knochendichte-Messungen beinhalten, signifikante Kosten im Bereich der Frakturen vermieden werden, da bis zu 80 % der Patient*innen mit Hüftfrakturen einen Vitamin-D-Mangel aufwiesen, der durch frühzeitige Interventionen behandelt werden könnte.

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